VERWALTUNG DIGITAL

KISA-Digitaltag 2026

Das Motto „Inspiration. Austausch. Lösungen." Spiegelte sich im Programm wider: Es wurde der Bogen gespannt von der eAkte über KI-gestützte Arbeitsprozesse bis hin zu bundeseinheitlichen Nutzerkonten und kommunaler Wärmeplanung.

Geschäftsführerin Daniela Leonhardt und Verbandsvorsitzender Ralf Rother eröffneten die Veranstaltung. Jakob Dalin (Public Experts GmbH) stimmte mit seiner Keynote „Transformation der Kultur – Wie man IT-Projekt-Herausforderungen im öffentlichen Sektor bewältigt" auf den Tag ein. Seine Botschaft: Technik allein reicht nicht, die Organisation muss Transformation leben.

Die Angebote über den Tag waren vielfältig:

  • Digitale Verwaltungsdienste

    In einer Live-Demo wurde gezeigt, wie die Wohnsitzanmeldung ohne Behördenbesuch funktioniert – ein anschauliches Beispiel für nutzerfreundliche Verwaltungsdigitalisierung. Es freut uns Digital-Lotsen, dass dieser EfA-Dienst so gut im Land angenommen wird. Die meisten Kommunen nutzen bereits die eWA und andere Onlinedienste im Einwohnermeldeamt. Wer mehr wissen möchte kann auf der Website der KISA zu EfA-eWA und z. B. beim Digitalen Frühstück vom 18.07.2025 vorbeischauen.

  • KI in der Verwaltung – zwischen Hype und Handlungsdruck

    Effiziente Sitzungsprotokollierung mit KI-Unterstützung wurde ebenso in einer Live-Demo präsentiert. Deutlich wurde wie KI die Protokollführung in Gremiensitzungen beschleunigen und erleichtern kann. Dahinter steckt die Lösung von SpeechMind aus Dresden mit der schon einige Kommunen unterwegs sind. Der eine oder andere hat vielleicht im Paper „KI-Systeme zum Einsatz in Kommunen des Freistaates Sachsen“ welches über die Website https://KI.Digital-Lotsen.de abrufbar ist, gelesen. Aber auch in der KI-Community auf kommunen.app wird das Thema Transkription diskutiert und erörtert. Wir werden bestimmt in den nächsten Monaten noch den einen oder anderen Bericht zur KI-Unterstützung beim Protokollieren lesen können.

    KI sicher einsetzen: Datenschutz, IT-Sicherheit und Governance für Kommunen: Thomas Schindler (Digitalagentur Sachsen) brachte die Kernbotschaft mit: Schatten-KI ist bereits Realität – Beschäftigte nutzen KI-Tools informell, weil Organisationen nichts Offizielles bereitstellen. Das birgt erhebliche Risiken: fehlende Auftragsverarbeitungsverträge, keine Datenschutzfolgenabschätzung, potenzielle Geheimnisverletzungen, Diskriminierung und ausgehebelte IT-Sicherheit. Sein Fazit: „Nichtstun ist das größte Risiko. KI ist nicht aufzuhalten – und wir wollen das auch gar nicht. Wer nicht gestaltet, wird gestaltet." Die Empfehlung: Konkrete Sofortmaßnahmen, wie die Bildung einer Arbeitsgruppe in der eigenen Organisation, Bestandsaufnahme, erste KI-Richtlinie entwerfen – auch als einfache Ein-Seiten-Version. Dabei plädierte er für einen innovationsgeleiteten Ansatz - nicht einen verbotsorientierten.

    Die Stimmung unter den Teilnehmenden bestätigte diesen Befund: Viele nutzen KI bereits privat und kennen das Potenzial, doch im beruflichen Kontext fehlen häufig noch klare Rahmenbedingungen. Nur wenige der anwesenden Verwaltungsmitarbeitenden dürfen KI heute offiziell im Arbeitsalltag einsetzen, während sich fast das gesamte Publikum eine stärkere Integration von KI in kommunale Arbeitsprozesse wünscht.

    Für uns Digital-Lotsen der richtige Ansatz, der auch in der KI-Community diskutiert und vorangetrieben wird. Es geht nach meiner Auffassung nicht nur um die Wünsche der Mitarbeitenden, sondern um die Fähigkeit jedes einzelnen mit KI umgehen zu können.

  • E-Akte und Dokumentenmanagement

    Besonders gefreut habe ich mich, dass Philipp Kober, Digital-Navigator in der Stadtverwaltung Treuen, gemeinsam mit dem KISA-Team von seinen Erfahrungen bei der VIS-Einführung unter dem Titel „VIS-Fachkonfigurationen – Chaos war gestern: Die eAkte mit Struktur" berichtete. Über das Netzwerk kommunen.app kann Philipp zu dem einen oder anderen Aspekt beispielsweise im Lotsenfunk oder Kommunen unter sich direkt angesprochen werden.

    Ergänzend stellte das KISA-Team im Workshop „VIS trifft H2R – Revisionssichere Ablage im Praxiseinsatz" die Anbindung des Ausgangsrechnungsjournals (ARJ) und weiteren H2R-Belegen an VIS vor. Für Bestandskunden wird die bestehende Schnittstelle erweitert, für Neukunden gibt es einen unkomplizierten Einstieg ins DMS mit sofort einsatzbereitem Standard und Zugriff für drei Arbeitsplätze. Weitere Anbindungsmöglichkeiten umfassen Mahnungen, Stundungen, Tagesabschlüsse und künftig auch die Umsatzsteuer. Soweit ich dies richtig verstanden habe, werden für die Umsatzsteuer noch Pilotkunden gesucht. Wer Interesse hat, kann diesbezüglich die Kollegen der KISA ansprechen. 

  • Smarte Finanzmodule

    Auch im HKR-Universum verankert war der Impulsvortrag von Melanie Lemmel (SASKIA Informations-Systeme GmbH) mit dem Titel „Smarte Zusatzmodule mit SASKIA.H2R – Barkasse trifft Ausgangsrechnungsjournal". Gezeigt wurde wie Barkasse und Ausgangsrechnungsjournal auf einer einheitlichen Datenbasis zusammengeführt werden. Nach Einrichtung der Stammdaten (Einnahme-/Ausgabearten, Tarifgruppen, Tarife) können Ausgangsrechnungen erstellt und innerhalb der Barkasse smart bezahlt werden – bis hin zum Kassenabschluss mit Z-Bon.

  • Serviceportal Amt24 und bundeseinheitliche Nutzerkonten

    Caroline Schönherr (Sächsische Staatskanzlei) und Christiane Calow (Komm24 GmbH) informierten über die Anbindung von BundID und Mein Unternehmenskonto (MUK) an die kommunalen Onlinedienste im Amt24. Hintergrund ist das Onlinezugangsgesetz (OZG), das ein einheitliches Bürger- und Organisationskonto vorsieht. Die wichtigsten Punkte dabei waren:

    • Die Umstellung der Onlinedienste soll bis 30. Juni 2026 erfolgen; ab dem 1. Juli ist keine Antragstellung mehr mit dem bisherigen Servicekonto möglich.
    • Servicekonto-Nutzer wurden Ende März 2026 über die Umstellung informiert.
    • 92 der 155 Onlinedienste wurden für die Umsetzung ausgewählt, dies sind diejenigen, die aktiv genutzt werden.
    • Der Rollout erfolgt gestaffelt seit März 2026 mit 16 bis 30 Produkten pro Durchgang.
    • Die BundID bietet verschiedene Anmeldemöglichkeiten (Online-Ausweis, EU-Identitäten, Elster-Zertifikat, Benutzername/Passwort) je nach erforderlichem Vertrauensniveau (Basis oder Hoch). Das MUK unterstützt ausschließlich das Elster-Organisationszertifikate.
    • Eine intensive Pilotierung lief bereits seit 2024 in Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung  Leipzig / Lecos, der sächsischen Staatskanzlei, dem SID, der SAKD und der Firma Seitenbau, dem Anbieter und Entwickler von Amt24.Sachsen.

    Ein wichtiges Thema, da es alle Bemühungen Onlineantragsassistenten in möglichst vielen Kommunen nutzbar zu machen berührt.

    Wer mehr erfahren möchte kann sich auch auf der Themenseite zu Amt24.Sachsen, bei Sächsisch-Direkt und den Extranetseiten zu Amt24 informieren.

  • Kommune als Schulträger: Fristen wurden fixiert

    Ein zentrales Thema, das viele Kommunen Teilnehmende bewegt: Die finanzielle Absicherung der IT-Infrastruktur in Schulen. Gunther Hörichs (SAB) und Thomas Hockert (Sächsisches  Staatsministerium für Kultus) informierten über die Support-Förderverordnung 2025: Im Rahmen des Digitaltags wurden konkrete Details zur neuen Förderverordnung ITSupFöVO2025, die die Richtlinien für die Förderung von Personal- und Sachausgaben der Schulträger aus dem Jahr 2025 formuliert und öffentlich kommuniziert. Ausgaben, die bei der Administration und den Support von schulischer IT-Infrastruktur im vergangenen Jahr bei sächsischen Schulträgern angefallen sind, sollen zur Erstattung eingereicht eingereicht werden können. Anträge sind im Zeitraum vom 20. Mai bis zum 30. Juni 2026 möglich. Während diese Informationen in dieser Woche offiziell über die Amtsblätter verbreitet werden, konnten die Gäste in Radebeul bereits Ihre Fragen stellen. „Das ist ein schlankes Verfahren. Wir wollen es den Schulträgern so einfach wie möglich machen“, betonte Gunther Hörichs von der Sächsischen Aufbaubank.

    Zum Digitalpakt 2.0 gab es den Austausch mit Thomas Hockert, Referatsleiter für Digitalisierung Schulen und Unterricht, Medienbildung im Sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK) – auch wenn hier deutlich wurde, dass auf bundespolitischer Ebene viele konkrete Details noch in der finalen Abstimmung feststecken und somit noch nicht alle Fragen beantwortet werden konnten, waren die Teilnehmer dankbar, dass das Digitalpakt 2.0 thematisiert wurde.

    Quelle: KISA-Digitaltag 2026: Exklusive Förder-Infos für Schulträger und digitale Praxis

  • Kommunale Wärmeplanung und weitere Themen

    Sebastian Megow (ENEKA GmbH) referierte über „Kommunale Wärmeplanung as a Service – Herausforderungen und Chancen der energetischen Transformation". Andreas Bitter (KISA) und Martin Schallbruch (govdigital e.G.) führten ein Gespräch zur „Kommunalen IT". Weitere Beiträge behandelten die Themen Wohngeld, Sicherheitsgewinne in der IT und die Zukunft der digitalen Personalwelt mit LOGA HR. 

    Auch die Lecos GmbH war vertreten und präsentierte KIVAN. Die Resonanz war durchgehend positiv, und auch der neue KIVAN-Merch sorgte für Aufmerksamkeit.

  • Fazit

    Der 2. KISA-Digitaltag hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Potenzial in der kommunalen IT steckt – und wie dringend der Handlungsbedarf ist. Die zentralen Erkenntnisse lassen sich zusammenfassen:

    Pragmatismus schlägt Perfektion. Ob bei der eAkte-Einführung oder der KI-Richtlinie – anfangen ist wichtiger als alles auf einmal perfekt zu machen.

    Standardisierung gewinnt. Die Umstellung auf BundID und MUK zeigt, dass dezentrale Insellösungen zugunsten einheitlicher, nachnutzbarer Infrastrukturen abgelöst werden.

    KI ist in der Verwaltung angekommen – aber oft noch im Schatten. Der Wille zur umfassenden Nutzung ist da, es fehlen jedoch verbindliche Leitlinien, punktuell sichere Lösungen, das Vertrauen aller in die Technologie und finanzielle Grundlagen auch bei kleinen Kommunen.

    Dialog bleibt der Schlüssel. Die durchweg positive Resonanz auf die Veranstaltung bestätigt, dass der persönliche Austausch zwischen Verwaltung, IT-Dienstleistern und Partnern unverzichtbar ist.

  • Impressionen

    Gibt es auf der KISA-Website: IMPRESSIONEN vom KISA-Digitaltag ::: KISA

Viele Digital-Navigatoren und Digital-Multiplikatoren konnte ich treffen, mich austauschen, nächste Termine vereinbaren und netzwerken. Gefreut habe ich mich, dass beide Veranstaltungen am 22.04.2026: Der Infotag E-Government und Digitalisierung in Leipzig und der KISA Digitaltag in Radebeul sehr gut besucht waren. 

Digital-Navigatoren und Digital-Multiplikatoren die ihre Erkenntnisse und Erfahrungen teilen möchten, können die Beiträge von Rico und André im Lotsenfunk gern noch ergänzen.