Was sind eigentlich offene Standards?
Ein offener Standard bezieht sich auf ein Format oder Protokoll, das bestimmte Kriterien erfüllt. Die Genfer Erklärung „Standards and the Future of the Internet" von 2008 formulierte zentrale Anforderungen:
- Frei verfügbar – keine Lizenzgebühren oder Nutzungsbeschränkungen
- Transparent entwickelt – in einem offenen, nachvollziehbaren Prozess
- Herstellerunabhängig – nicht an einen einzelnen Anbieter gebunden
- Technologieneutral – auf verschiedenen Plattformen nutzbar
- Zukunftssicher – langfristig verfügbar und weiterentwickelbar
Auf den Punkt: Offene Standards ermöglichen es, dass digitale Dokumente, Daten und Systeme unabhängig von bestimmten Software-Produkten oder Anbietern gelesen, bearbeitet und ausgetauscht werden können.
Warum ist das für Kommunen relevant?
Für die öffentliche Verwaltung sind offene Standards aus mehreren Gründen essenziell:
- Digitale Souveränität: Keine Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern
- Langfristige Verfügbarkeit: Dokumente und Daten bleiben über Jahrzehnte lesbar
- Interoperabilität: Reibungsloser Datenaustausch zwischen Behörden und Systemen
- Kosteneffizienz: Vermeidung von Vendor-Lock-in und Lizenzkosten
- Transparenz: Nachvollziehbare Formate für Bürger:innen und Unternehmen
Auch im Kontext des Deutschland-Stack spielen offene Standards eine Schlüsselrolle: Die technische Grundlage für Bund, Länder und Kommunen soll bewusst auf offenen Standards und Open Source basieren, um digitale Souveränität zu gewährleisten.
Beispiele
Die FSFE vergibt jährlich den Document Freedom Award an Institutionen, die sich für offene Standards einsetzen. Zu den Preisträger:innen gehörten unter anderem:
- Das Auswärtige Amt für die Nutzung des Open Document Format (2008)
- Deutschlandradio für Ogg-Vorbis-Streams (2010)
- Die Tagesschau für das offene Video-Format Ogg Theora (2011)
Was können wir tun?
Der Document Freedom Day erinnert uns daran, bei der Digitalisierung bewusst auf offene Standards zu setzen:
- Bei Ausschreibungen offene Dateiformate (z. B. ODF, PDF/A) fordern
- Interoperabilität als Auswahlkriterium für Software und Systeme definieren
- Mitarbeitende für die Bedeutung offener Standards sensibilisieren
- Aktiv die Weiterentwicklung offener Standards unterstützen
Fazit
Offene Standards sind keine technische Spielerei, sondern das Fundament für eine zukunftsfähige, souveräne und bürgernahe digitale Verwaltung. Der Document Freedom Day am 25. März ist eine gute Gelegenheit, diese Bedeutung sichtbar zu machen – nicht nur an einem Tag im Jahr, sondern als festen Bestandteil unserer Digitalisierungsstrategie.
Mehr Infos:
- Free Software Foundation Europe: fsfe.org
- Digital Freedom Foundation: documentfreedom.org
